In der Sprache des Herzens

Jahrtausende alter indischer Tempeltanz in der
Bermatinger Kulturoase.

Lalitha Devi tanzt für den Frieden und eine universale Verständigung
zwischen den Menschen, ganz im Einklang mit dem Motto der Kulturoase.

Als einzige Europäerin hat Lalitha Devi, mit bürgerlichem Namen
Lalitha Detiege, einen anerkannten Abschluss als indische Tempeltänzerin.
Nach siebenjährigem Studium, das neben dieser 2000 Jahre alten
einzigartigen Kunstform auch die Fächer Sanskrit, Musik, Joga und
Dramaturgie einschließt, erlangte Devi den Abschluss an der Universität
Madras. Heute ist die Tanz- und Yogalehrerin neben den gefragten
Auftritten auch im therapeutischen Bereich engagiert und entwickelt
sich ständig weiter.
In der Kulturoase Shiva entführte die Künstlerin in die bezaubernde
Welt uralter traditioneller Bewegungskunst und des indischen
Ausdruckstanzes.

Kein alltäglicher Abend war das für die zahlreichen Besucher des
indisch-europäischen Restaurants in Bermatingen. Keinen alltäglichen
Weg hat auch die Tänzerin Lalitha Devi beschritten. In Afrika
geboren ist sie in Amerika aufgewachsen, hat in Deutschland Abitur
gemacht und in Indien den klassischen Tempeltanz studiert. "In Indien
ist Tanz eine Wissenschaft und hat einen weit höheren Stellenwert,
als in Europa", erläutert sie. Mit weit über 50 Stellungen der Hände,
mit ausdrucksvoll bildhaften Gesten und Gebärden, mit variantenreicher
und konzentriert-beherrschter Miene, mit rhythmisch-bildmalenden
Bewegungen zauberte die Tänzerin das ganze Spektrum menschlicher
Erlebnis- und Gefühlswelt in die Kulturoase. Und die Begeisterung
bei den Zuschauern war groß: "Mit dem Tanz gelingt es mir, zu der
Seele der Menschen vorzudringen. Ich tanze für die Menschen und bin
während des Tanzes ein Spiegel für das Puplikum, wie eine Mittlerin
zur Selbsterkenntnis." Neben dem künstlerisch-ästhetischen Anspruch
sei es vor allem auch der therapeutische Aspekt, den Lalitha Devi an
ihrer Kunst schätze.

Eindrucksvolle Auftritte in Krankenhäusern, Heilklinken, Altenheimen
und Gehörlosenzentren, sogar Kirchen legen hier Zeugnis ab: "Wenn
ich Liebe, Trauer, Freude oder Sehnsüchte darstelle, dann können
das auch jene tief im Herzen verstehen, die sich nicht mehr
äußerlich verständlich machen können", bekräftigt sie.

Sie tanzte für den Frieden und eine universale Verständigung
zwischen den Menschen, ganz im Einklang mit dem Motto der Kulturoase
Shiva, die eine Brücke zwischen den Kulturen zu bauen sucht. Seit
15 Jahren erfreut die Künslerin ihr Publikum. Jetzt hat Lalitha
Devi ihr Programm durch den so genannten lyrischen Gebärdentanz
ausgebaut, den sie selbst entwickelt habe. Zur Kraft der Bewegung
kommt die Macht der Sprache hinzu. Und die durchwegs begeisterten
Reaktionen in der Kulturoase Shiva geben Lalitha Devi recht. Bunte
Gewänder, berauschende Musik und betörende Bewegungen, die exotische
Pflanzen und Tiere, Gefühle und Sehnsüchte tänzerisch zum Leben
erwecken, entführten die Gäste in den Zauber des Morgenlandes. Auch
ein Fernsehteam des Südwestfunks war von der ungewöhnlichen
Darbietung in den Bann gezogen.

Am 20. November um 19.30 Uhr bringt der Südwestfunk im
Landesschaumagazin ein Portrait über den Bermatinger Inder Vinay Sansi.
Hier werden auch Auszüge aus dem aufgeführten Tempeltanz zu sehen
sein.

Die nächsten Darbietungen von Lelitha Devi in der Kulturoase Shiva
sind am 25. November, am 23 Dezember und dann jeweils am letzten
Sonntag jeden Monats um 19.30 Uhr.

Siegfried Amann
Bericht im Südkurier
Freitag, 20. November 2001